Zinseszins: Was ein ETF-Sparplan mit 200 € im Monat bringt
Kleine monatliche Beträge wirken zunächst unscheinbar. Über Jahrzehnte macht der Zinseszinseffekt daraus ein beachtliches Vermögen.
Das Wichtigste in Kürze
- 200 € im Monat werden bei 6 % Rendite in 30 Jahren zu rund 200.900 €, eingezahlt sind 72.000 €.
- Zehn Jahre früher zu starten verdoppelt bei gleicher Rendite fast das Endkapital.
- Kostenunterschiede von 1,3 Prozentpunkten können über 41.000 € ausmachen.
So funktioniert der Zinseszins
Bei einfacher Verzinsung erhalten Sie nur Erträge auf Ihr eingezahltes Geld. Beim Zinseszins werden die Erträge dem Kapital zugeschlagen und bringen selbst wieder Erträge. Bei ETFs geschieht das, wenn Dividenden wiederangelegt werden und Kursgewinne im Depot bleiben.
Kn = K0 × (1 + p ÷ m)m × n
K0 ist das Startkapital, p der Jahreszins, m die Anzahl der Zinsperioden pro Jahr und n die Laufzeit in Jahren.
Bei einem Sparplan kommt jeden Monat eine neue Rate hinzu. Der Zinseszinsrechner berechnet deshalb jeden Monat einzeln.
200 € monatlich über 30 Jahre
Angenommen, Sie sparen 30 Jahre lang am Monatsende 200 €. Insgesamt zahlen Sie 72.000 € ein. Das Ergebnis hängt stark von der durchschnittlichen Rendite ab.
- 8 % pro Jahr
- 6 % pro Jahr
- 4 % pro Jahr
- Nur Einzahlungen
Daten anzeigen
| Jahr | 8 % pro Jahr | 6 % pro Jahr | 4 % pro Jahr | Nur Einzahlungen |
|---|---|---|---|---|
| 0 | 0 € | 0 € | 0 € | 0 € |
| 5 | 14.695 € | 13.954 € | 13.260 € | 12.000 € |
| 10 | 36.589 € | 32.776 € | 29.450 € | 24.000 € |
| 15 | 69.208 € | 58.164 € | 49.218 € | 36.000 € |
| 20 | 117.804 € | 92.408 € | 73.355 € | 48.000 € |
| 25 | 190.205 € | 138.599 € | 102.826 € | 60.000 € |
| 30 | 298.072 € | 200.903 € | 138.810 € | 72.000 € |
Bei 4 % erreichen Sie rund 138.800 €, bei 6 % rund 200.900 € und bei 8 % rund 298.100 €. In den ersten zehn Jahren liegen die Linien dicht beieinander. Danach laufen sie auseinander, weil die jährlichen Erträge auf einem immer größeren Kapital entstehen. Historisch haben breit gestreute Aktien-ETFs über lange Zeiträume Renditen in dieser Größenordnung erzielt, allerdings mit starken Schwankungen und ohne Garantie für die Zukunft.
Früh anfangen lohnt sich
Zwei Personen sparen 200 € im Monat bei 6 % bis zum Alter von 65 Jahren. Eine beginnt mit 25, die andere mit 35.
- Eingezahlt
- Kapital mit 65
Daten anzeigen
| Startalter | Eingezahlt | Kapital mit 65 |
|---|---|---|
| Start mit 25 | 96.000 € | 398.298 € |
| Start mit 35 | 72.000 € | 200.903 € |
Wer mit 25 beginnt, zahlt 96.000 € ein und kommt auf rund 398.300 €. Wer mit 35 startet, zahlt 72.000 € ein und erreicht rund 200.900 €. Nur 24.000 € mehr Einzahlung bringen fast das doppelte Vermögen, weil das früh investierte Geld am längsten arbeitet.
Mit Startkapital geht es schneller
Wer bereits Erspartes hat, profitiert noch stärker. Mit 10.000 € Startkapital und 200 € Sparrate bei 5 % Rendite zahlen Sie in 20 Jahren 58.000 € ein und kommen auf rund 109.300 €. Mehr als 51.000 € davon sind Erträge. Das Startkapital arbeitet vom ersten Tag an und trägt einen großen Teil zum Ergebnis bei.
Sparziel rückwärts rechnen
Sie können auch vom Ziel ausgehen. Wer in 20 Jahren 100.000 € erreichen möchte und mit 6 % Rendite plant, braucht eine Sparrate von rund 217 € im Monat. Bei 25 Jahren sinkt die nötige Rate spürbar. Probieren Sie im Rechner verschiedene Laufzeiten aus: Mehr Zeit ist oft leichter zu finden als eine deutlich höhere Sparrate.
Die 72er-Regel
Teilen Sie 72 durch die Jahresrendite, um die Verdopplungszeit zu schätzen: bei 4 % etwa 18 Jahre, bei 6 % etwa 12 Jahre, bei 8 % etwa 9 Jahre. So erkennen Sie schnell, ob ein Renditeversprechen realistisch ist.
Kosten fressen Rendite
Die laufenden Kosten eines Fonds (TER) mindern die Rendite jedes Jahr. Angenommen, der Markt bringt 6 % vor Kosten. Ein ETF mit 0,2 % Kosten liefert dann 5,8 %, ein aktiv gemanagter Fonds mit 1,5 % Kosten nur 4,5 %. Nach 30 Jahren mit 200 € monatlich ergibt das rund 193.400 € gegenüber 151.900 €, ein Unterschied von über 41.000 €. Achten Sie zusätzlich auf Ordergebühren und Depotkosten.
Steuern auf Kapitalerträge
- Abgeltungsteuer: 25 % auf Kapitalerträge zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer.
- Sparer-Pauschbetrag: 1.000 € pro Person im Jahr bleiben mit Freistellungsauftrag steuerfrei, 2.000 € bei Zusammenveranlagung.
- Teilfreistellung: Bei Aktien-ETFs bleiben 30 % der Erträge steuerfrei.
- Vorabpauschale: Bei thesaurierenden Fonds wird jährlich ein Teil der Erträge vorab versteuert und später angerechnet.
Der Rechner zieht keine Steuern ab. Rechnen Sie für Ihre Planung lieber mit einer etwas niedrigeren Rendite.
Inflation berücksichtigen
Bei 2 % Inflation pro Jahr hat ein Endkapital von 200.900 € in 30 Jahren nur noch eine Kaufkraft von grob 110.000 € in heutigem Geld. Legen Sie Sparziele deshalb in heutiger Kaufkraft fest und erhöhen Sie die Sparrate regelmäßig, zum Beispiel bei jeder Gehaltserhöhung.
Durchhalten in schwachen Börsenjahren
Kursrückgänge gehören zum Aktienmarkt dazu. Wer in solchen Phasen weiter spart, kauft Anteile günstiger ein und profitiert später von der Erholung. Wer dagegen aus Angst verkauft oder den Sparplan stoppt, verpasst genau diese Erholung. Ein fester Dauerauftrag hilft, Emotionen aus der Geldanlage herauszuhalten.
Tagesgeld, Festgeld oder ETF?
Tagesgeld und Festgeld bieten feste Zinsen und Einlagensicherung bis 100.000 € pro Kunde und Bank, eignen sich aber vor allem für den Notgroschen und kurzfristige Ziele. Für Zeiträume ab etwa zehn Jahren nutzen viele Sparer breit gestreute Aktien-ETFs, weil sich Schwankungen über lange Zeit eher ausgleichen. Eine sinnvolle Aufteilung hängt von Ihrem Anlagehorizont und Ihrer Risikobereitschaft ab.
So nutzen Sie die Zahlen
Wählen Sie eine Sparrate, die Sie dauerhaft durchhalten, und rechnen Sie drei Szenarien durch: vorsichtig, mittel und optimistisch. Reicht schon das vorsichtige Szenario für Ihr Ziel, ist Ihr Plan robust. Richten Sie den Sparplan als Dauerauftrag kurz nach dem Gehaltseingang ein und lassen Sie ihn auch in schwachen Börsenphasen weiterlaufen. Dieser Ratgeber ist keine Anlageberatung.
Eigene Zahlen berechnen
Vermögensaufbau mit Startkapital und monatlicher Sparrate.
Zinseszinsrechner öffnenHäufige Fragen
Wie viel bringt ein ETF-Sparplan mit 200 € im Monat?
Bei 6 % Rendite nach 10 Jahren rund 32.800 €, nach 20 Jahren rund 92.400 € und nach 30 Jahren rund 200.900 €.
Was ist der Zinseszinseffekt?
Erträge werden dem Kapital zugeschlagen und bringen selbst wieder Erträge, wodurch das Vermögen exponentiell wächst.
Wie hoch ist der Sparer-Pauschbetrag?
1.000 € pro Person im Jahr, bei Ehepaaren 2.000 €.
Ist die Rendite eines ETF garantiert?
Nein. ETF-Kurse schwanken; die genannten Renditen sind Annahmen zur Planung.
Was bedeutet die 72er-Regel?
72 geteilt durch die Jahresrendite ergibt ungefähr die Jahre bis zur Verdopplung des Kapitals.